Das Ende der statischen Logistik – hochflexibles Warehousing bei Home24

Das Ende der statischen Logistik – hochflexibles Warehousing bei Home24

Patrick Zimmermann, Geschäftsführer von storelogix, sprach mit Thomas Branz, der zum Zeitpunkt des Gesprächs Logistikleiter von Home24 war, über die logistischen Herausforderungen im Onlinemöbelhandel.

Patrick Zimmermann: Wir arbeiten ja nun schon eine Weile zusammen. Vielleicht erzählst du zuerst einmal, wie es dazu kam und was damals eure Ausgangssituation war?

Thomas Branz: Home24 als Marke muss ich wahrscheinlich gar nicht groß vorstellen: Wir versenden online Möbel. Wie sieht unsere Logistik aus? Wir sind 2014 mit unserem ersten eigenen Lager gestartet, direkt in Berlin, in Ludwigsfelde. Mittlerweile haben wir zwei eigene Standorte: Ludwigsfelde mit 35.000 m2 und Walsrode wurde 2015 eröffnet mit 60.000 m2. In Summe müssen wir in der Lage sein, über 180.000 verschiedene Artikel zu händeln. Das kann bei einem Besteckset anfangen und geht dann über zu großen komplexen Möbeln. Im Schnitt verschicken wir ca. 200.000 Sendungen die Woche. Ja … und für dieses große Abenteuer haben wir 2014 einen Partner gesucht und sind am Ende auf storelogix gestoßen. Da kannst du, Patrick, am besten etwas zu den Herausforderungen sagen.

Patrick Zimmermann: Wir waren damals im Pitch mit fünf Konkurrenten. Der ganze Pitch hat dann neun Monate gedauert – also das Vielfache unseres eigentlichen Einführungsprozesses (lacht). Aber noch einmal zurück zu der Problematik, vor der ihr damals standet, gerade im Onlinehandel geht es da sicher vielen Anbietern ähnlich.

Thomas Branz: Ja, unser Start ähnelt sicher vielen anderen, die im E-Commerce beginnen: Wir wickelten zunächst die Logistik über einen Drittanbieter ab. Die Lager wurden also nicht von uns betrieben. Irgendwann haben wir entschieden, dass wir diesen Teil der Prozesskette selber managen möchten. Wir wollten mehr in Qualität stecken, Prozesse selber steuern, weiterentwickeln und einfach selbst eng am Prozess sein. Und deshalb die Entscheidung, ein eigenes Lager aufzubauen. Damals hatten wir zunächst den Fokus auf die kleinen Artikel, da dies erst einmal einfacher ist. Dann haben wir den Standort Ludwigsfelde eröffnet und standen vor der großen Frage: Mit wem machen wir das? Wir konnten nicht sagen, wo die Reise hingeht. Wir hatten den Standort eröffnet und wussten nicht, reicht er für zwei, drei oder vier Jahre oder müssen wir vielleicht als nächsten Schritt direkt einen neuen Standort hinzunehmen? Wir konnten nicht genau sagen, welche Produkte wollen wir in Zukunft handeln? Klar, am Anfang erst einmal Pakete, kommt aber vielleicht dann Two-Man-Handling dazu? Welche Produkttypen müssen dabei sein, welche Prozesse wollen wir abbilden? Alles war relativ vage. Aber gleichzeitig war für uns sehr wichtig, dass die Kosten transparent sind. Deshalb haben wir uns für storelogix entschieden. Und gerade was den Punkt „ungewisse Zukunft“ betrifft, ist so viel passiert. Nach Ludwigsfelde haben wir zunächst zwei temporäre Lager in Betrieb genommen und dann wurde sehr schnell Walsrode geplant und eröffnet.

Patrick Zimmermann: Wie lief das ab? Das ist ja ein Riesen-Kraftakt in so kurzer Zeit gleich zwei Standorte zu eröffnen und die Logistik selbst in die Hand zu nehmen.

Thomas Branz: Oh ja, ich kenne das von vielen anderen Unternehmen, da war das immer eine sehr große Herausforderung, einen Standort oder eine neue Software live zu nehmen. Meistens ist das Problem: Das Gebäude mit der ganzen Infrastruktur steht … und dann kommt die Software. 50 Mitarbeiter wollen arbeiten und nichts geht, die MDE’s funktionieren nicht oder die Ware ist nicht richtig eingebucht, was auch immer. Zum Glück hatten wir die Probleme mit storelogix nicht. Natürlich gab es kleine Mängel, ganz logisch, ein paar minimale Sachen mussten repariert werden. storelogix hat uns aber in der Summe wirklich geholfen, Standorte innerhalb von einer Woche ans Netz zu nehmen. Mit sechs Wochen Implementierungszeit sind wir gestartet, aber die nächsten Standorte gingen dann sogar noch schneller. Wir konnten sie an- und abstellen und relativ schnell Ware von A nach B transferieren. Im November 2014 wurde in einem Monat der Dienstleister-Standort abgestellt und wir konnten in dieser Zeit die Ware in unserem Standort einbuchen. Das hat alles funktioniert. Es gab keine Inventurprobleme oder Ähnliches.

Patrick Zimmermann: Das System ist also tatsächlich sehr flexibel (lacht). Was heißt das konkret für euch?

Thomas Branz: Neue Prozesse etablieren wir eigentlich kontinuierlich. Wir haben Artikel, die aus mehreren Packstücken bestehen – das wussten wir zwar, aber die Herausforderungen, die im logistischen Prozess entstehen, waren uns nicht von Anfang an klar. An dieser Stelle haben wir die Prozesse angepasst und das Two-Man-Handling entwickelt. Das alles kostet uns nichts extra und ist sehr unkompliziert in der Umsetzung. Wir haben immer einen kurzen und direkten Draht zur Softwareabteilung von storelogix.

Patrick Zimmermann: Wie erlebst du so den Alltag bei euch? Wie läuft das ab, wenn neue Anforderungen umgesetzt werden?

Thomas Branz: Es gibt da mehrere Stufen. Zum einen sitzen wir regelmäßig zusammen und definieren eine Pipeline, das heißt, verschiedene Prozessänderungen werden getaktet und auf die nächsten Monate verteilt. Gleichzeitig bedürfen wir natürlich auch einer gewissen Agilität. Wir stellen relativ häufig fest, dass wir einen neuen Lead benötigen und kurzfristig etwas am Prozess ändern müssen. Das funktioniert wunderbar unkompliziert mit storelogix und kann zwischendurch eingeschoben werden. Natürlich darf das Problem nicht zu komplex sein, sonst kümmert sich eure Softwareabteilung nur noch um unsere Themen (lacht).

Patrick Zimmermann: Was sind besondere Features im Möbelbereich, die ihr zusammen mit uns entwickelt habt?

Thomas Branz: Two-Man-Handling ist für uns ein Aspekt, bei dem wir unsere Pickprozesse optimieren können. Nicht jeder große Artikel erfordert unbedingt zwei Kommissionierer. Bisher hatten wir einen Standard-Prozess, was ziemlich viel Unproduktivität produziert hat. Jetzt haben wir durch verschiedene Parameter einen Ablauf etabliert, der uns ermöglicht, hier sehr differenziert vorzugehen und so unsere internen Prozesse zu optimieren. Oder ein anderes Beispiel: Komplexe Lieferungen. Bestimmt ist jedem bewusst, dass Two-Man-Handling-Produkte sehr anspruchsvoll sind. Auch hier haben wir verschiedene Anpassungen vorgenommen. So können wir sicherstellen, dass bei Produkten, wo das linke Teil unbedingt zum rechten gehört, auch wirklich keine Verwechslungen stattfinden. Wir haben Prozesse entwickelt, die das sicherstellen. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber für uns und für unsere Kunden hat dies einen mega Impakt.

Patrick Zimmermann: Abschließend wollte ich dich noch fragen, was dein Resümee ist und wie du die Zukunft siehst?

Thomas Branz: Wie schon beschrieben, die schnelle und flexible Implementierung hat uns zunächst geholfen, erfolgreich ins Lagerbusiness einzusteigen und unsere eigene Lagerlogistik zum Leben zu erwecken. Ich glaube, die große Herausforderung der Zukunft liegt in der Distribution. Da werdet sicher auch ihr gefordert sein, uns mit der entsprechenden Software operativ zu unterstützen.

Patrick Zimmermann: Ok, Thomas, vielen Dank für das Gespräch.