Frische Lebensmittel in 90 Minuten

Frische Lebensmittel in 90 Minuten

Sie bestellen Ihre Einkäufe gern online? Perfekt! Dank storelogix beliefert Getnow seit 2015 seine Kunden in kürzester Zeit direkt aus der Metro-Filiale mit frischen Lebensmitteln. Berlin und München sind erst der Anfang.

Im Bereich E-Commerce gehört das Thema Food ganz sicher zu denen, die am aufwändigsten zu händeln sind. Packt man es richtig an, bietet der Lebensmittel-Onlinehandel aber auch enorme Chancen. Getnow ist dafür ein echtes Paradebeispiel. Was den Erfolg des Unternehmens ausmacht? Darüber hat Patrick Zimmermann (Geschäftsführer bei storelogix) mit Dr. Dominik Reinartz (Geschäftsführer bei Getnow) gesprochen. In unserem Interview gibt der Neusser Einblicke in das schlaue Konzept, das hinter dem kometenhaften Aufstieg des ehemaligen Start-ups steckt. Durch Kooperation mit den Metro-Großmärkten benötigt Getnow zum Beispiel kein eigenes Lager. Die komplette Logistik wickelt das Unternehmen mit unserem Warehouse-Management-System ab. So ist es möglich, dass Getnow mit storelogix in nur 90 Minuten aus bis zu 60.000 Artikeln 70 Prozent der Bevölkerung beliefern kann.

Patrick Zimmermann: Hallo Dominik, für diejenigen, die Getnow noch nicht kennen, erzähl doch bitte erstmal, was ihr genau macht.

Dr. Dominik Reinartz: Da fang ich mal mit einer Frage an: Wie viele Menschen bestellen Lebensmittel online? Die Antwort lautet heutzutage sicher: relativ viele. Wenn man aber fragt, wer davon die Waren aus dem Supermarkt bezieht – also nicht bei Delivery Hero, Foodora oder ähnlichen Anbietern – werden es schon deutlich weniger. Und genau das ist das Thema, dessen wir uns angenommen haben. Wir wollen, dass Lebensmittel, aber auch Nonfood-Artikel, schnell zum Kunden kommen – und das nicht erst in ein paar Tagen, „zeitnah“ oder morgen, sondern innerhalb von anderthalb Stunden nach Bestelleingang. Um das zu realisieren, haben wir die Metro als Partner. Dank ihr können wir den Kunden direkt aus der ansässigen Filiale beliefern. Wer bei Getnow bestellt, kommt also auch ohne Metrokarte in den Genuss, aus dem riesigen Sortiment auswählen zu können.

Patrick Zimmermann: Eigentlich wollte ich dich jetzt fragen, wo genau euer USP liegt, aber das erübrigt sich, nach dem, was du grade erzählt hast. Eine Belieferung in so kurzer Zeit ist natürlich ein nahezu unschlagbares Argument.

Dr. Dominik Reinartz: Richtig, unser wichtigstes Alleinstellungsmerkmal ist definitiv die Warenzustellung innerhalb von 90 Minuten. Jemand, der zum Supermarkt fährt, braucht meistens auch eine Stunde mit Anfahrt, parken, einkaufen und einräumen. Wenn man dann in München wohnt, muss man erstmal einen Parkplatz finden und anschließend fünf Tüten nach Hause schleppen. Den ganzen Aufwand kann man sich mit uns sparen, denn wir bekommen das in 90 Minuten hin. Auf einen Mindestbestellwert verzichten wir übrigens, weil wir wollen, dass unsere Kunden auch kleine Warenmengen schnell geliefert bekommen. Wenn es eben nur ein Deo ist, dann soll der Besteller es sich nach Hause bringen lassen können. Ab 60 Euro entfällt die Liefergebühr bei uns komplett.

Patrick Zimmermann: Warum habt ihr euch für die Metro als Partner entschieden?

Dr. Dominik Reinartz: Das Schöne an speziell dieser Partnerschaft ist, dass wir komplett auf das Metro-Sortiment zugreifen können. Die Metro hat eine riesige Fisch- und Fleischtheke und bestimmt über 150 Käsesorten. Insgesamt sind es ungefähr zwischen 50.000 und 60.000 Produkte, die wir zur Verfügung stellen können. Darunter sind dann natürlich auch viele Artikel, die Kunden ohne Metrokarte in den gängigen Supermärkten gar nicht bekommen würden. Ein weiterer Unterschied zu anderen Anbietern im Lebensmittel-Onlinehandel ist übrigens, dass wir keine Maschinen nutzen, die die Produkte aussuchen. Es fährt kein Scanner über die Tomaten, stattdessen arbeiten wir mit ausgebildeten Pickern, die sich die Tomaten, das Fleisch oder die Erdbeeren anschauen. Für unsere Kunden ist das fast so, als würden sie ihre Waren selbst auswählen. Schließlich sind unsere Picker auf Qualität geschult.

Patrick Zimmermann: Das außergewöhnliche an eurem „Asset-Light-Geschäftsmodell“ ist ja, dass ihr die Metro-Supermärkte wie ein Lager nutzt. Auf große Flächen, LKWs oder Fahrer könnt ihr daher komplett verzichten. Bei Amazon und anderen Wettbewerbern hingegen geht es immer darum, ein Lager zu schaffen, das groß genug ist, um den Onlinemarkt zu bedienen.

Dr. Dominik Reinartz: Dass wir direkt in den Metro-Filialen kommissionieren können, ist definitiv ein Supervorteil, den wir ganz klar unserem Partner storelogix zu verdanken haben. Wir greifen auf jede Metro als riesengroßes Sortimentslager zurück, in das wir unser Personal schicken, um die Ware zu picken Anschließend wandern die einzelnen Bestellungen in unser eigenes kleines Lager, von wo aus wir dann mit DHL versenden. Wir brauchen also nicht Monate, um ein Lager zu bauen, sondern bei Hinzunahme eines neuen Standortes in der Tat nur vier Wochen. storelogix wäre sogar noch eher einsatzbereit, aber wir müssen schließlich noch gutes Personal finden. Das dauert dann halt doch ein wenig. Generell passt euer Warehouse-Management-System natürlich perfekt zu unserer Geschäftsstrategie, die ja auf geringe Investitionen und ein dadurch mögliches schnelles Wachstum abzielt. Wir hatten bei storelogix keinerlei Einstiegskosten und sind heute höchst flexibel, wenn wir eine neue Filiale integrieren. Mit jeder weiteren Filiale erschließen wir uns einen zusätzlichen Absatzmarkt. So wachsen wir Schritt für Schritt. Hardware-Installationen vor Ort, die betrieben und gewartet werden müssen, sind auch nicht nötig, da ihr es geschafft habt, dass wir einfach mit mobilen Endgeräten in den Metro-Filialen picken können.

Patrick Zimmermann: Danke für das Lob, das freut mich sehr, aber ganz so „einfach“ war es für unsere Kollegen aus der Systemintegration ja nun doch nicht. Wir mussten immerhin aus unseren eigenen storelogix-Rechenzentren in das Netzwerk der Metro. Das war wirklich komplex. Fakt ist, es hat alles super geklappt und ihr habt jetzt genau die Lösung, die euer Geschäftsmodell perfekt unterstützt. Und wie du schon sagtest: Inzwischen halten wir mit eurem Speed nicht nur Schritt, sondern sind sogar noch schneller, weil wir es schaffen, einen neuen Standort mit allen individuellen Pick-, Pack- und Sortierprozessen innerhalb von nur 14 Tagen live zu nehmen. Jetzt aber zu meiner nächsten Frage. Bedient ihr eigentlich nur Endverbraucher oder auch Großkunden?

Dr. Dominik Reinartz: Wir wollen nicht nur reines B2C-Geschäft machen, sondern sind ganz klar auch B2B-Anbieter. Stell dir doch einfach mal die ganzen Bürokomplexe vor, die bieten für uns beispielsweise ein riesiges Potenzial. Überall braucht man Obst, Milch, Kaffee etc. Bei einigen unserer Wettbewerber kann man sich allerdings nur 20 Milchtüten liefern lassen, dann ist Schluss. Wir liefern auch eine ganze Palette – auf Wunsch sogar mehrmals am Tag. Große Mengen kann die Metro schließlich besonders gut, also fängt der Spaß da für uns eigentlich erst richtig an. Du hörst: Wir sind wirklich stolz, das anbieten zu können. Ebenso auf unseren Abo-Service: Wenn der Kunde weiß, welche Warenmengen er jede Woche braucht, bekommt er sie bei uns im Abo immer wieder zur gleichen Zeit.

Patrick Zimmermann: All das, was du erzählst, klingt durch die unterschiedlichen Umstände höchst kompliziert. Mir ist das klar, denn ich kenne natürlich die Prozesse, mit denen storelogix das abbildet. Aber kannst du unseren Lesern vielleicht mal an einem Beispiel erklären, warum bei euch die Abläufe so viel komplexer als in einem Standardlager sind?

Dr. Dominik Reinartz: Das beginnt in erster Linie damit, dass es nicht an allen Standorten exakt das gleiche Sortiment gibt. Ebenso sind die Abläufe – beispielsweise beim Warenein- oder -ausgang – in den einzelnen Filialen oft unterschiedlich. Darauf müssen wir uns instellen. Oder besser gesagt: Ihr gestaltet für uns in storelogix einen effi zienten Pick-, Pack- und Versandprozess, der den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort optimal angepasst ist. Du, Patrick, hättest jetzt wahrscheinlich gesagt „wir konfigurieren storelogix“. Aber vielleicht gebe ich dazu wirklich einfach ein Beispiel. Am besten erläutere ich das mal anhand mehrerer Aufträge in einer Kommissionierung. Prinzipiell ist das ja ein Prozess, der in einem normalen Lager absolut Standard ist. Aber dort hat man auch homogene Produkte, die immer die gleichen Eigenschaften besitzen. Bei uns muss man sich das so vorstellen: Ein Picker läuft los, bestellt an der Brottheke das Brot. Das wird dann erst auf dem Rückweg wieder mitgenommen, weil es noch gebacken wird. Ähnliches passiert an der Fleisch- oder Fischtheke, und Gemüse muss der Kommissionierer vielleicht auch noch wiegen. Er agiert also mit einer Anzahl von sehr vielen heterogenen Artikeln. Logischerweise muss das alles zunächst im Pick- und nachher im Packprozess abgebildet werden. Aber auch darüber hinaus muss die Software bei uns extrem flexibel sein. Heute haben wir vielleicht zehn Bestellungen und morgen 500, da kann man dann nicht mehr mit den gleichen Prozessen arbeiten. Durch storelogix können wir z. B. Waren innerhalb eines Tages umstellen, gleich heute noch mehrere Aufträge in einer Kommissionierung erledigen und wenn wir wollen, schaffen wir morgen verschiedene Zonen innerhalb der Metro, wo jeweils ein Picker seine Bestellungen bekommt. Zusammengefasst heißt das: storelogix ermöglicht es uns jederzeit, neue Strategien auszuprobieren, uns anderen Anforderungen anzupassen und unsere Prozesse ständig zu optimieren.

Patrick Zimmermann: Ich hätte maximal noch hinzugefügt, dass alle Anpassungen und Weiterentwicklungen für euch kostenlos sind, weil storelogix auf einem Flatratemodell basiert. Unter anderem deshalb war das System ja so interessant für euch. Aber sag doch bitte noch ein paar Worte zum Thema Ersatzartikel. Das ist ja gerade im Lebensmittel-Onlinehandel teilweise problematisch. Also, was mache ich, wenn ein bestellter Artikel nicht mehr da ist?

Dr. Dominik Reinartz: Stimmt, die Kommissionierung von Ersatzartikeln sollten wir noch erläutern, da es bei unserem Geschäftsmodell systemimmanent ist. Was passiert also, wenn der Picker an ein Regal geht und feststellt, dass „Dany Sahne“ von Danone nicht mehr vorrätig ist? Dazu gibt es in storelogix einen speziellen Pickprozess für Ersatzartikel. Wichtig finden wir aber, dass der Kommissionierer mitentscheidet oder eine weitere Auswahl hat, welches Produkt er aus den im System hinterlegten Artikeln wählt. Dafür haben wir – wie schon erwähnt – unsere Leute ja auf Qualität geschult. Patrick Zimmermann: Jetzt bin ich nochmal richtig neugierig, wie kam es überhaupt dazu, dass du heute als Geschäftsführer bei Getnow tätig bist?

Dr. Dominik Reinartz: Ich bin jetzt seit November 2017 Geschäftsführer von Getnow. Vor zwei Jahren kam ich zunächst als „Business Angel“ dazu. Ich fand den Gedanken, mit relativ wenig Aufwand Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs an die Kunden zu liefern, einfach enorm spannend. Deshalb habe ich mich an Getnow beteiligt. Später habe ich dann entschieden, auch ins operative Geschäft einzusteigen.

Patrick Zimmermann: Kannst du abschließend noch etwas über eure Zukunftspläne sagen? Ihr habt ja sicher eine Menge vor.

Dr. Dominik Reinartz: Allerdings. Wir werden in nächster Zeit weitere Metro-Standorte in Betrieb nehmen. Den europaweiten Markt wollen wir dann auch bald angehen, was natürlich wegen der unterschiedlichen Sprachen etwas schwieriger ist. Aber wir haben schließlich auch im Ausland den Vorteil, auf das Sortiment der Metro zurückgreifen zu können – zumal es dem in Deutschland sehr ähnlich ist. Unser Ziel ist schon sehr ambitioniert, aber es ist durchaus zu schaffen, unter die Top drei im Lebensmittel-Onlinehandel zu kommen.

Patrick Zimmermann: Wir sind auf alle Fälle dabei und unterstützen euch. Vielen Dank, dass du uns hier soviel berichtet hast.